Archiv für Juni, 2010

Krisenmanagement im Projekt

Dienstag, 8. Juni 2010 at 21:22

Anläßlich eines Kundenworkshops zum Thema der Überschrift habe ich mich in den letzten Wochen noch einmal vertieft damit auseinandergesetzt, was die (vor allempsychologischen) Komponenten einer Krisensituation in der Projektarbeit ausmacht – und wie man damit umgeht.

Hängen geblieben sind bei mir ein paar Gedanken, die sich ein bisschen als Leitprinzipien für den vernünftigen Umgang und die Bewältigung solcher Situationen abzeichnen – ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Vollständigkeit.

1. Ergebnisoffen bleiben

Eine Krisensituation kann unter anderem als zugespitze Notlage definiert werden, in der eine subjektive “Schmerzgrenze” überschritten wurde. Das bedeutet in den meisten Fällen auch, dass auch die Absage eines Projektes möglichst rational als Option geprüft werden sollte. Deshalb sollte ein Krisenmanager am Anfang eindeutig ergebnisoffen an seine Aufgabe herangehen – und auch die den sofortigen Stopp aller Projektaufgaben als eine mögliche Alternative betrachten. Nur wenn die direkten und indirekten Kosten einer Absage größer sind als eine plausible und realistische Alternative, das Projekt doch noch zum Erfolg zu führen, sollte man auch weitermachen.

2. Iterativ handeln

Ein iteratives Handeln ist in vielen Projekten hilfreich, die durch eine komplexe Situation und/oder Zielsetzung und geringe Erfahrungswerte in der Umsetzung geprägt sind. Diese Charakterisierung trifft eigentlich auch immer und oft verstärkt auf die Krisensituation zu. Deshalb empfehle ich als Krisenmanagemnt immer ein iteratives Vorgehen in der konkreten Aktivitätenplanung. ‘Iteratives Vorgehen’ bedeutet in diesem Fall nur den nächsten, klar zeitlich definierten und kurzen Projektabschnitt zu planen und im Anschluß eine kurze Evaluation der Ergebnisse und der Arbeitsweise durchzuführen, bevor der nächste Abschnitt geplant und umgesetzt wird. Damit behält der Krisenmanagement das Heft in der Hand und kann schnell und aktiv steuern.

Auch die Produktion von echten Zwischen-Ergebnissen, die unabhängig von den nächsten Projektschritten Bestand haben, ist in diesem Fall zu empfehlen. Mehr dazu finden Sie auch in meinem Artikel zur “kleinen Pyramide” im Projektmagazin.

3. “Störungen haben Vorrang”

Dieser Satz aus der Transaktionsanalyse von Ruth Cohn ist vielen Moderatoren, Coaches und Trainern ein Begriff. Gemeint ist damit, dass Störungen wie Seitengespräche oder Diskussionen die vom Thema ablenken wichtig sind und ernst zu nehmen sind, da sie sonst nicht stattfinden würden. Übertragen auf die Projektkrise können wir das insofern, in dem insbesondere soziale Spannungen und “politische” Probleme in der Organisation ernst genommen und Vorrang behandelt werden sollten, da sie einer sachlichen und konstruktiven Auflösung der Schwierigkekiten sonst leicht im Wege stehen.

4. Einen Weg konsequent verfolgen

Aus den meisten Krisensituationen gibt es verschiedene Wege – die auch in Szenarien durchleuchtet und miteinander verglichen werden sollten. Und oft ist es eine schwierige Verhandlung, schließlich mit allen Beteiligten die Entscheidung für eines dieser Szenarien zu treffen. Das ist aber sehr wichtig – und dieser Weg sollte ab dem Moment mit aller Konsequenz beschritten werden. Der – womöglich sogar mehrfache – Wechsel zwischen verschiedenen Lösungsansätzen bringt in der Regel nur eines sicher – den Mißerfolg.

5. Krisen brauchen gute Führung!

Gute Führungsarbeit und eine fähige Projektleiterpersönlichkeit sind immer ein wichtiger Erfolgsfaktor für Projektarbeit – und auch dieser Punkt gilt in der Krisensituation umso mehr. Deshalb sollte ein erster Schritt in der Krisenbewältigung in der Installation eines fähige, mit Kompetenzen und Befugnissen ausgestatteten Krisenmanagers bestehen, der die volle Rückendeckung genießt. Von diesem Schritt aus Rücksichtnahme auf persönliche Befindlichkeiten oder politische Interessen abzusehen, bedeutet den Erfolg der Gegenmaßnahmen von vorneherein zu gefährden.

Wie immer haben diese Grundsätze bei mir durchaus agile Akzente – was aber durchaus gewollt und auch sinnvoll ist, da die Projektkrisensituation wie unter (2) schon beschrieben besonders gut für agile Steuerungsansätze geeignet ist.

Diese Grundsätze haben mir schon geholfen, Projektkrisen erfolgreich zu überwinden. Was für Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Grundsätze sind Ihre Leitsätze geworden? Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

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von Philipp